Potentialanalyse Elektromobilität

Elektromobilität – das ist die Chance, unabhängig vom Öl zu werden. Es ist auch die Chance für große Ballungsgebiete, weniger Emissionen schädlicher Art zu haben. — Angela Merkel, Bundeskanzlerin

 

Abstrakt

Die großen Energieversorgungsunternehmen sehen sich aktuell mit großen Herausforderungen konfrontiert. Traditionelle Geschäftsmodelle geraten ins Wanken, die Erlöse aus dem Geschäft mit Strom aus Gas, Kohle und Atom sinken. Gleichzeitig haben zahlreiche Anbieter viel zu spät auf veränderte Marktbedingungen reagiert und der Wandel hin zu Erneuerbaren Energien geht nur langsam voran. Zusätzlich kündigen sich durch die Elektromobilität und die Digitale Transformation sowie den Eintritt neuer Marktteilnehmer weitere Umbrüche der Geschäftsmodelle an. Die Energieversorger sollten die großen Chancen und Potentiale dieses Wandels erkennen und nutzen!

 

Herausforderungen für Energieversorger

Der Strommarkt in Deutschland und in großen Teilen Europas sieht sich andauernden und tiefgreifenden strukturellen Änderungen ausgesetzt. Dabei sind Energieversorgungs-unternehmen (EVU) aktuell Markttrends ausgesetzt, welche die gesamte energiewirtschaftliche Wertschöpfungskette auf den Kopf stellt und mittel- bis langfristig nicht weniger als die Existenz von gesamten Unternehmen bedroht. Die größten Herausforderungen für EVU sind:

Die deutsche Energiewende – hin zu erneuerbaren Energien:

Mehr und mehr wird der Strom vor allem in Deutschland – auch politisch forciert – aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt. Dies schafft große Volatilität an den europäischen Strombörsen und erfordert einen signifikanten Ausbau der bereits jetzt stark belasteten Netze. Aufgrund hoher Marktaustrittsbarrieren sind die Energieversorger gezwungen, ihren konventionellen Kraftwerkspark weiterhin bestmöglich auszulasten. Zusätzlich trifft der deutsche Atomausstieg EVU hart: Die Kosten für den Rückbau und die Entsorgung der atomaren Erzeugungsanlagen gehen in die Milliarden und die dafür in der Vergangenheit gebildeten Rücklagen werden sehr wahrscheinlich nicht ausreichend sein.

Allgegenwärtige Informationsverfügbarkeit durch Digitalisierung:

Nutzer haben heute einfachen Zugang zu relevanten Informationen überall auf dem Globus. Die besseren Informationsmöglichkeiten zu Energieprodukten und Preisangeboten wie z.B. durch Internetportale wie Check24 und Verivox werden führt zu erhöhtem Preiswettbewerb und damit Druck auf die Gewinnmargen.

Dezentralisierung:

Der Wandel hin zu regenerativer Stromerzeugung hat starken Einfluss auf die Größe und das Aussehen von typischen Erzeugungsanlagen. So werden beispielsweise immer größere Teile des Stroms auch durch individuelle kleine Dach-Solar- und Mikro-KWK-Anlagen erzeugt. Diese Selbstversorgung und Teilautonomie der Kunden mindert das Erlöspotential von Energieversorgern entscheidend und bedeutet zusätzlich eine weitere große Herausforderung aus Sicht der Netzstabilität.

Wandelnde Kundenbedürfnisse:

Der Anbieterwechsel beim Stromvertrag ist heute nur noch wenige Klicks entfernt. Zudem diversifizieren sich die Bedürfnisse der Kunden immer weiter. Es müssen Selbsterzeugung, Speicherung, flexible Abnehmer und individuelle Tarifmodellwünsche adressiert werden.

Neue starke Marktteilnehmer:

Derzeit überlegen bereits einige branchenfremde Newcomer wie z. B. Google, welche Innovationen und Geschäftsmöglichkeiten sich durch die Veränderungen für sie ergeben könnten. Google hat mit dem Kauf von Nest für 3,2 Mrd. USD bereits sein Interesse signalisiert, in dem sich entwickelnden Markt für Home Automatisation kräftig mitmischen zu wollen. Etablierte EVU müssen aufpassen, dass ihnen lukrative Märkte von Morgen nicht von branchenfremden Unternehmen vor der Nase weggeschnappt werden und die zum reinen „Commodity-Provider“ ohne direkten Kundenkontakt reduziert werden.

 

 

Top Technolgietrends in der Energiewirtschaft

 

 

Die Bedeutung von neuen Geschäftsfeldern wird weiter ansteigen und die Fähigkeit flexibel und schnell auf geänderte und komplexere Marktbedingungen reagieren zu können wird überlebenswichtig. Ein Weg zurück zu vermeintlich einfachen Zeiten wird es nicht geben und der Übergang zu einer dezentralen Energieversorgung mit hohen Erzeugungsanteilen aus regenerativen Energien wird sich nicht umkehren lassen. Ebenso vorgezeichnet sind die Transformation der Mobilität und die Abkehr von fossilen Brennstoffen. Die Frage ist, wann Elektrofahrzeuge sich im Massenmarkt durchsetzen und nicht ob. Wenn Millionen von Elektrofahrzeugen auf den Straßen sind und mittels ihrer Energiespeicher sowohl Verbraucher als auch Einspeiser im Versorgungsnetz sein werden, ergeben sich Herausforderungen und Chancen gleicherweise. Die naheliegende Idee, die Speicherkapazitäten zur Einbindung erneuerbarer Energien zu nutzen erfordert tiefgreifende Veränderungen und eine ganzheitliche Nutzung der Potentiale der Digitalen Transformation.

 

Lösungsansätze: Elektromobilität als neues Geschäftsmodell für EVU?

Wagt man den Blick in die Zukunft der Mobilität ist klar: Unsere Fahrzeuge werden in Zukunft nicht mehr mit Mineralöl betrieben – alternative Antriebe wie Elektromotoren in batteriebetriebenen oder wasserstoffgespeisten Elektrofahrzeugen werden, unterstützt von hocheffizienten Gasantrieben, den CO2-Fußabdruck des Individualverkehrs bedeutend senken. Elektrofahrzeuge müssen dafür jedoch mit regenerativ erzeugtem Strom beladen oder mit “grünem” Wasserstoff betankt werden. Die Energieerzeuger können demnach eine Schlüsselrolle bei der zukünftigen Ausgestaltung der Mobilität einnehmen. Eine Mobilitätswende mit breiter Verbreitung von Elektroautos birgt seinerseits jedoch auch inhärente Potentiale um die Herausforderungen der Energiebranche zu bewältigen.

 

 

Energie-Vision 2040

 

 

Die Lösung ist ein intelligentes Smart Grid, in dem Elektrofahrzeuge, Verbraucher, Erzeugungsanlagen und Speicher effizient, sicher und stabil vernetzt interagieren. Elektrofahrzeuge sind hierbei ein entscheidender Baustein. Aufgrund ihrer hohen Speicherkapazitäten ermöglichen sie es, Energieverbräuche zu optimieren, Spitzenlasten intelligent abzufangen, das Stromnetz bei Unterversorgung zu stabilisieren und den Anteil von regenerativem Strom langfristig zu maximieren. Gleichzeitig erlaubt der Mobilitätswandel, über neue Tarifmodelle und Herangehensweisen Kunden langfristig zu binden und individuelle Bedürfnisse zielgerichteter zu bedienen.

 

Das zukünftige Smart Grid ist hochkomplex. Umso höher sind die Chancen und Geschäftspotentiale

Die hohe Anzahl neuer Netz- und Marktteilnehmer sowie die zunehmende digitale Vernetzung aller Akteure erfordern die Anpassung aller Kernprozesse und -kompetenzen auf neue Wertschöpfungsketten und Märkte.

 

 

Trends zum Smart Grid

 

 

Digitale Kompetenz wie IT-Technologie und -Security, virtuelle Vernetzung und digitaler Vertrieb werden erfolgsentscheidend für Energieversorgungsunternehmen sein. Fehlende Fähigkeiten sind zu identifizieren und durch den Aufbau eines Kooperationsnetzwerkes zu schließen. EVU müssen ihre Chancen und Möglichkeiten erkennen und entsprechende Investitionen und Partnerschaften anstoßen.

Zur Komplexitätsbeherrschung und Transparenzsteigerung bei der Ist-Situation, empfehlen wir mit einer gründlichen und strukturierten Statusbestimmung zu beginnen.

 

Vorgehen

Unsere Potentialanalyse zur Elektromobilität ist eine solche Statusbestimmung und besteht aus vier Stufen, welche alle relevanten Aspekte abdecken. Dazu zählen:

1.) Gründliche Markt- und Trendanalyse:

Einführung und Überblick zu aktuellen Marktentwicklungen in der Elektromobilität: Neuste technologische Entwicklungen und Trends (z.B. Fahrzeugentwicklungen, Speichertechnologien, Smart Grid Entwicklungen, etc.), regulatorische Rahmenbedingungen und politische Initiativen, aktuelle Marktstrukturen (Anbieter, Nachfragestrukturen und -bedürfnisse, potentielle neue Marktteilnehmer, Substitute, Wettbewerbsintensität, etc.) und Prognosen zu zukünftigen Marktentwicklungsszenarien, Kernerfolgsfaktoren, Erste Bewertung der zukünftigen Relevanz der Elektromobilität im Gesamtkontext der Mobilität inkl. Penetrationsprognosen.

2.) Erhebung von möglichen Elektromobilitäts-Geschäftsmodellen:

Veränderungen in den Marktanforderungen (z.B. Energiewende) führen zu erheblichen Risiken für die tradierten Geschäftsmodelle von EVUs. Auf der anderen Seite offerieren Veränderungen auch neue Chancen für EVUs sich in dem neu entstehenden Elektromobilitätsmarkt entsprechend zu positionieren. Damit daraus keine Bauchlandung wird, ist eine sorgfältige Bewertung möglicher Geschäftsmodellentwicklungen elementar. Erst danach können spezifische Zielbilder für das jeweilige EVU entwickelt, bewertet und selektiert werden. Dazu werden in Schritt 2 mögliche zukünftige Geschäftsmodelle identifiziert und detailliert beschrieben (zukünftige Service/Produkt Portfolios im Bereich Elektromobilität, Kundengruppe, Nutzenversprechen, wesentliche Aktivitäten, benötigte Schlüsselkompetenzen, Kostenstrukturen, Einnahmequellen).

 

 

Geschäftsmodellbeschreibung als Beispiel

 

 

3.) Prognose zur Entwicklung von Wertschöpfungsketten:

Auf Basis gründlicher Markt- und Trendanalysen werden Wertschöpfungsketten-Szenarien erstellt. Dazu gehört das wesentliche Markt-Player (z.B.: Automobilhersteller, Autovermieter, Tankstellennetzbetreiber, EVU, Vermieter von Ladestationen, Installateure, etc.) identifiziert und beschreiben werden sowie die jeweils möglichen Marktpositionierungen prognostiziert werden.

 

 

Elektromobilität Wertschöpfungskette

 

 

4.) Identifikation des Bedrohungspotentials für das jeweilige EVU:

Ableitung der Implikationen der erhobenen Marktentwicklungen auf die bestehende Positionierung für das jeweilige EVU sowie Bewertung zu akutem Handlungsbedarf.

 

Fazit

Vor dem Hintergrund der Energiewende in Deutschland und durch das Wegbrechen der aktuellen Geschäftsmodelle suchen Energieversorgungsunternehmen (EVU) händeringend nach neuen Geschäftsmodellen. Die Aufrechterhaltung des „Status quo“ und aktuelle Inaktivität der Energieversorger im Bereich Elektromobilität ist keine wirkliche Alternative für Versorgungsunternehmen. Sollten Energieversorger die aktuell entstehenden Opportunitäten nicht nutzen, werden sicher andere Player die entstehende Lücke füllen und sich entsprechend im Markt positionieren. Wir unterstützen Sie im Rahmen dieser Transformation sehr gerne!

 

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Marc R. Esser

Managing Partner
Strategy & Transformation Consulting
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